Griaß di‘! Danke, dass du dir die Zeit nimmst und heute wieder bei mir mitliest. Ja, ich weiß, der 6. Vollmond in diesem Jahr ist bereits am 10. Juni gewesen. Es war ein wunderschöner Erdbeermond. Hast du ihn am Sternenhimmel bewundert? Er war etwas Besonderes, weil er so tief zur Erde stand. Daher erschien er sehr groß. Der Name Erdbeermond kommt von der Erdbeerernte in diesem Monat. Ich konnte am Montag, Pfingstmontag, den fast Erdbeermond am Himmel bestaunen. In der Nacht vom 10. auf den 11. Juni hatte ich andere Sorgen. Daher kommt heute #6 Vollmond – Graz trauert mit einiger Verspätung. Sei trotzdem dabei und lies bitte die nächsten Zeilen.
#6 Vollmond – Graz trauert

Es war der Dienstag nach Pfingsten. Ich hatte frei und wollte mich eigentlich gerade zum Computer setzen, um das wunderbare Naturschauspiel des Erdbeermondes zu verfassen, als ich die Nachricht bekam, dass in der Dreierschützengasse ein großer Polizeieinsatz im Gange war. Wir GrazerInnen sollten diesen Bereich bitte meiden, hieß es ständig. Da meine Eltern dort wohnen und ich im BORG Dreierschützengasse jeden Montagabend eine Sporteinheit unterrichte und der Schulwart bereits ein lieber Freund von mir geworden ist, wollte ich mehr wissen. Durch Telefonate und die ständigen Durchsagen im Radio, war es rasch deutlich, dass in dieser besagten Schule gerade ein Amoklauf passierte. Unvorstellbar! Unfassbar!
Was tun? Wie reagieren? Ich bin in meinen Garten gegangen, hab die Blumen gegossen und wollte draußen in der Natur mein Bauchgefühl entscheiden lassen. Genau in diesem Moment ist ein Polizeihubschrauber in die Richtung der Schule geflogen. Das war für mich ein Zeichen, ebenfalls zu helfen. Ich rief die Zentrale des Roten Kreuzes an und erkundigte mich, ob ich als freiwillige Helferin benötigt werde. Die Dame am Telefon meinte, auf jeden Fall. Ich solle mich vor Ort melden und meine Kompetenzen als Diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester einbringen.
Helfen oder sich selbst schützen
Kurz danach saß ich im Auto Richtung Graz Eggenberg. Mein Gefühl war gemischt. Ich wollte helfen! Wollte ich jedoch all das Leid sehen? Aber mein Wunsch, Schmerzen zu lindern war größer. Ich glaube, dass dies bei allen Menschen der Fall ist, die in helfenden Berufen tätig sind. Ich fuhr direkt zur Schule, der Weg war mir gut bekannt. Die Polizeiabsperrung war kurz vor der Schule. Ich nehme an, das war auf der anderen Seite, Richtung Alte Poststraße anders. Ein Polizist, der die Kameraleute hinter der Absperrung hielt, sah mich groß an und konnte mit meinem Ausweis und meiner Frage, wo ich helfen kann, nicht wirklich etwas anfangen. Er meinte, hier sei alles unter Kontrolle. Die Helmut-List-Halle sei ein Lazarett mit allen Verletzten und dort gebe es genug an Ersthelfern. Aber in der ASKÖ-Halle, drei Minuten weit weg gelegen, sollen nun alle SchülerInnen und ihre Eltern zusammengeführt werden. Dort wird sicher Hilfe benötigt.
Also war ich wieder im Auto und fuhr ein Stück des Weges zurück. Auch vor dieser Sporthalle standen bereits zig Kamera- und Medienleute. Mit meinem Ausweis ging ich zum Halleneingang, der gut von der Polizei bewacht wurde. Hineingelassen wurden nur Menschen, die hier her gehörten. Ich musste Namen und Telefonnummer hinterlegen und den Grund, warum ich hier sei. Also bin ich als „ehrenamtliche DGKS“ vorgemerkt worden. Ab da lief alles wie im Film. Jeder Handgriff saß. Ich stellte mich bei der Rettung vor und diese waren begeistert, dass ich „freiwillig“ zur Hilfe kam.
Das Team der ASKÖ-Halle stellte ihre Räumlichkeiten kostenlos zur Verfügung. Der Turnsaal wurde zum Auffangbecken aller Eltern, LehrerInnen und SchülerInnen, sowie sonstiger Bekannter der Betroffenen. Bänke und Stühle waren bereits aufgestellt. Dazu kamen drei Tische, auf denen Wasser und Essbares aufgetischt und verteilt wurde. Das war dann meine Aufgabe für die nächsten Stunden. Ich schaute, dass die Menschen, die hier in den schrecklichsten Stunden ihres Lebens auf Nachricht von der Polizei warteten, nicht wegen Unterzuckerung zusammenbrachen.

Helfen, wo am meisten nötig

Der Rettungseinsatzleiter holte uns in eine Umkleidekabine, um kurz die Lage zu besprechen. Ich bekam einen Streifen Leukoplast mit der Aufschrift „Martina DGKS“ und klebte es auf mein T-Shirt. Es hieß, es seien bereits neun Tote und das, was kommen wird, ist unvorstellbares Leid, also sollten wir einfach dorthin unsere Aufmerksamkeit hinlenken, wo es gerade am meisten benötigt werde. Ich war schockiert, denn im Radio hieß es noch fünf Tote.
Die ASKÖ-Halle füllte sich immer mehr. Ich lief mit Wasserbechern, Äpfel und Müsliriegel durch die Menge, um den schwülen Temperaturen entgegenzuwirken. Die Menschen standen in Familiengruppen zusammen, die Menschen saßen auf den Bänken und dann gab es Menschen, die ganz alleine da waren. Dort blieb ich stehen und fragte, ob ich irgendwie helfen konnte. Ein junges Mädchen stand alleine mit dem Mobiltelefon in der Hand und schluchzte in dieses hinein. Ich blieb neben ihr stehen und breitete meine Arme aus und fragte, wie ich helfen könne. Sie umarmte mich ganz fest und erzählte mir dabei, dass sie bis vor 2 Monaten noch in diese Schule ging. Sie mache aber keine Matura und deshalb sei sie nicht vor Ort gewesen, aber alle ihre FreundInnen. Sie wisse nicht, wen es beträfe, sie sei einfach nur fassungslos. Ihr Körperspannung ließ nach und sie beruhigte sich ein wenig.
Ich stand wieder bei den Tischen, um Wasser nach zu stapeln. Die Versorgung mit dem Nötigsten lief einwandfrei. Essen und Trinken wurden immer neu in die Halle geliefert. Da waren so viele helfende Hände. Auf einmal stand ein junger Bursch neben mir. Er erzählte mir, er sei der Schulsprecher des BORGs und eigentlich krank zu Hause. Seine rote Nase schniefte. Ich sagte, ich sehe es. Er meinte, darum ist er nicht am Ort des Geschehens und nur deshalb ist er unversehrt hier in der Halle. Er habe gehört, dass seine Englischlehrerin unter den Toten sei. Er sei fassungslos. Er sei so tief bewegt. Auch da konnte ich helfen, indem ich zuhörte.
In der Menge sah ich ebenso bekannte Gesichter. Sie alle waren voller Angst und Schmerz. Mit einigen konnte ich sprechen, nicht mit allen. Von einer lieben Facebook-Bekannten wurde ich angesprochen, denn sie erkannte mich. Sie schrieb ihre Eindrücke von diesen schmerzenden Stunden in einem Facebook-Beitrag nieder. >> https://www.facebook.com/ursula.puffingcooper
Der zuständige Einsatzleiter der Polizei ergriff über ein Mikrofon das Wort und brachte Struktur in die große Menge. Mittlerweile waren mehr als 200 Menschen eingetroffen. Er bat, dass sich die Eltern nach Schulklassen aufstellen mögen. Dazu wurden DIN-A-4 Blätter ausgeteilt und es gab rasch eine gute Übersicht. Das Warten war lange, zu lange für manche Eltern. Als die erste Mutter schreiend zu Boden sank, war ich in dieser Sekunde so überfordert, dass ich selbst zu weinen begann und ein Rettungshelfer zu mir kam und mich fragte, was los sei und ob ich Hilfe bräuchte. Ich verneinte und meinte, dass ich auf das zwar vorbereitet sei, aber es doch an meine emotionalen Grenzen ginge beziehungsweise diese gerade überschritten wurden. Dieser Mutter wurde sofort geholfen, wobei es leider sprachliche Barrieren gab. Das „Jammern und Wehklagen“ ist bei bestimmten Kulturen zu sehen und es ist gut so.
Als endlich die Nachricht kam, dass die Kinder nun in GVB-Bussen, klassenweise zu uns gebracht werden, sollten die Eltern, auch klassenweise, nach draußen, auf den Rasen der Sportstätte gehen. Das war zu Beginn ein bisschen ein Chaos, weil mehrere Klassen nach draußen gebeten und dann wieder in die Halle geschickt wurden. Die Nerven lagen blank, auf allen Seiten. Die Temperatur war sommerlich und so nahm ich eine große Kiste voller Wasserflaschen, Äpfel und Müsliriegel und ging mit den Eltern nach draußen. Dort wollte ich helfen, die letzten Minuten noch so erträglich wie möglich zu machen. Es standen gefühlt 20 PolizistInnen und 20 Personen mit grünen Warnwesten mit der Aufschrift „Krisenmanagement“ bereits da, alle mit stetigem Blick zum seitlichen Eingangsportal. Es vergingen noch immer so viele Minuten der Ungewissheit für viele Eltern, bis dann endlich der erste Bus kam.

Was ich dann sah, waren verzweifelte, traumatisierte Kinderaugen, deren Wunsch es war, zu ihren Eltern zu laufen, aber die Einsatzkräfte sie zum Gehen anhielten. Ich sah verzweifelte, schmerzvolle Augen der Eltern, die endlich ihre Kinder unversehrt in die Arme nehmen wollten und wenn sich die zusammengehörenden Augen trafen waren die erleichternden Rufe, das laute Seufzen allgegenwärtig. Bei den meisten Kindern waren mehrere Angehörige hier. Einige Kinder kamen und niemand stand für sie bereit. Keine Angehörigen warteten. Diese Enttäuschung war sehr deutlich in deren Augen sichtbar. Diese Schüler wurden sofort vom Krisenmanagement aufgefangen. Aber klar, Eltern, deren Kinder in die Oberstufe gehen, sind nicht mehr zwingend zu Hause. Welche Eltern von Kindern sind überhaupt noch zu Hause und haben das Privileg „Eltern“ zu sein, um sich wirklich Zeit für ihre Kinder zu nehmen?
Ein junges Mädchen kollabierte, nachdem sie von ihren Eltern in die Arme genommen wurde. Auch hier reagierte die Rettung sofort und perfekt.
Und ja, es gab Eltern deren Augen ihre Kinder nie mehr sehen werden. Ich konnte zwar nicht in diese Gesichter sehen, denn sie wurden von der Exekutive, für mich völlig unbemerkt, weiter weg von der Gruppe, zur Halle hin gelotst. Die Schreie konnten wir aber alle hören und das Schlagen ihrer Arme und Winden des ganzen Körpers sehen, so als ob sie jeglichen Halt in ihrem Dasein verloren hätten. Diese eine Mutter, die ich sah – ich werde sie noch lange in Gedanken haben. Ich darf dies hier mit aller Achtsamkeit schreiben, denn auch ich habe in meinem Leben den Halt verloren, als man mir sagte, mein ungeborenes Baby sei tot. Ich fühle mit all diesen Eltern, die an diesem Tag das Schlimmste, was es für Eltern gibt, erleben mussten. Ich fühle mit allen Eltern auf der ganzen Welt, die ihr Kind oder sogar ihre Kinder bei Gewalttaten verloren haben.
Es ist höchst an der Zeit, dass diese Eltern ihre Stimme erheben für einen Weltfrieden, der jetzt beginnen muss! Die lauten Rufe von Links, die nun ein Waffenverbot fordern – wie sinnbefreit dieses Anliegen doch ist. Wer Gewalt ausüben will, wird immer einen Weg zu einer Waffen finden. Legal oder illegal. Also bitte sei nicht so naiv und unterstütze diese Dummheit.
Was wir brauchen, und zwar sofort, sind Verbote für Gewalt-Spiele jeglicher Art!! Was wir brauchen ist mehr Zeit mit unserem Nachwuchs, um ihnen die Empathie vorzuleben, die sie selbst leben sollten. Was wir brauchen ist viel mehr an Sensibilität und Zuwendung zum Du, das Hilfe braucht. Sei also bitte DU diese Person, die noch heute mit dieser Veränderung beginnt.

Mein Danke an dein Danke
Zum Schluss möchte ich mich noch bei all denen bedanken, die sich bei mir für diese Hilfe bedankt haben. Es waren viele Eltern am Weg zu ihren Autos, die ein „Danke für alles“ an mich und die anderen Helfenden übrig hatten, obwohl diese Stunden ihnen alles abverlangt haben. Ich bekam aber ebenfalls danke von Personen im Internet, die meinen Beitrag sahen und sich bei mir persönlich bedankten. DANKE dafür! <3
Warum ich das Ganze erst jetzt schreibe? Weil es kurz nach der Tat so viele Marktschreier und Wichtigtuer gab, die mit allen möglich und unmöglichen Berichten an die Öffentlichkeit gingen. Alle Sender, alle Medien – sie waren voll von aufmerksamkeitsheischenden Artikeln und Sendungen. Ich fand es furchtbar! Ich wollte mit diesen Zeilen allen Menschen, die diese schweren Stunden durchlebt haben, ein Andenken setzen.
Am vergangenen Montag hatten wir keinen Sportkurs im BORG Dreierschützengasse. Am kommenden Montag, dem 23. Juni, sollten wir die Sporthalle benützen dürfen. Ein gemischtes Gefühl durchdringt mich bei diesem Gedanken. Es ist der letzte USI-Montag, den ich eigentlich mit viel guter Laune unterrichten wollte. Es fällt mir schwer, meine ausgelassene Sportlaune an diesem Ort, so kurze Zeit danach, schon einzusetzen.

Ich durfte an diesem #6 Vollmondtag einen kleinen Teil dazu beitragen, dass dieses Krisenmanagement sehr gut funktionierte. So auch die abschließenden Worte aller Einsatzleiter – von Polizei und Rettung, an alle Helfenden. Ich darf dich an die Macht des Vollmondes erinnern und an die Termine, wo du diese Kraft besonders spüren darfst: Donnerstag, 10. Juli und Samstag, 9. August 2025. Sei an diesen Vollmonden ganz bei dir und in deiner vollen Kraft! Unter dem Motto: „Tue Gutes und rede darüber!“
In meinem Blogpost >> #1 Vollmond-Wolfsmond hab ich sie alle aufgezählt, wenn du einen guten Überblick benötigst. Wenn du von meinen Zeilen berührt bist, dann abonniere mich kostenlos im unten stehenden Feld, damit du keine Achtsamkeitsbeiträge mehr versäumst. Und jetzt spring hinein in das Ritual der Sommersonnenwende …
In diesem Sinne schicke ich dir achtsame Grüße mit der Bitte, dass du diese Achtsamkeit und die Liebe zur Hilfestellung in deinen Alltag integrierst. Schau nicht länger weg, sei du die Veränderung in dieser Zeit!!
Alles erdenklich Gute,
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Alles Liebe, deine

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❤️❤️❤️
Liebe Laura!
Danke für diese 3 wunderbaren Herze!!!
Ich liebe dich – Bussi deine Mama