Ein Muss in deinem Handgepäck

Servus! Danke für deine Zeit, die du bei mir reinschaust und mitliest. Ich hoffe, es geht dir gut, wo auch immer du gerade auf dieser Welt bist. 🙂

Kennst du das, wenn du dich wochenlang auf deinen Urlaub vorbereitest, alles planst und einpackst, die Reise selbst dann meist lange und anstrengend ist und das neue Bett, welches dich erwartet, nicht ganz so bequem wie in deinem Zuhause erscheint? Das Koffer heben und das lange Sitzen im Auto / Zug / Bus oder gar Flugzeug sind alles Haltungen, für die unser Körper nicht gedacht und gemacht ist. Dann dauert es nicht lange und dein Rücken zwickt und zwackt an mehreren Stellen. Du versuchst dich zu strecken und recken und doch bleibt da eine gewisse Verspannung, obwohl du dich eigentlich in deiner Auszeit sensationell toll fühlen solltest. 😛

Da es mir ebenfalls immer wieder so ergeht und mein Rücken diese Fehlhaltungen gar nicht mag, egal auf welch wunderbarem Fleckchen Erde ich gerade bin, möchte ich dir heute meine Faszienübungen mitgeben, die bei mir Wunder wirken. Du wirst sehen, den kleinen Ball gibst du nie mehr aus deinem Handgepäck raus.

Du hast die Wahl zwischen einem „gewöhnlichen“ Tennisball oder einem Faszienball. (Bild links) Meine Teilnehmer*innen beginnen in meinen Kursen immer mit dem Tennisball. Dieser ist für den Anfang hart genug und bringt genauso gute Ergebnisse und außerdem brauchst du nicht immer alles gleich neu kaufen. Irgendjemand in deiner Umgebung spielt ganz bestimmt Tennis und gibt dir gerne einen Übungsball. Machst du diese Übung täglich, ganz unter dem Motto „Everyday for Future“, solltest du nach mehr als 8 Wochen auf den härteren Faszienball umsteigen. Sonst bleib beim Tennisball. Du kennst keine/n Tennisspieler*in? Dann sprich mich das nächste Mal an, ich habe immer einen dabei und gebe ihn dir gerne 🙂

Bei dieser Faszienübung halte ich mich an Dr. Kelly Starrett und sein Buch „Sitzen ist das neue Rauchen“. Diese Faszienmobilisationen wirken wirklich Wunder!! https://thereadystate.com

Finde deine „Hotspots“ – empfindliche Stellen auf deinem oberen Rücken: Beginne beim Trapezmuskel /Musculus trapezius im Bereich zwischen deinem Hals und deiner Schulter, ein Stück oberhalb des Schulterblattes und arbeite dich Rippe für Rippe hinunter, zwischen Schulterblatt und Brustwirbelsäule, bis zum unteren Schulterblattrand. (Bild rechts)

Beide Trapezmuskeln sind verantwortlich für die Stabilisation und die Bewegung in der Schulter und im Hals. Sie sind sehr robust und weisen einen hohen Faszienanteil auf, deshalb brauchst du bei dieser Übung dein ganzes Körpergewicht, um es auf den Faszienball einwirken zu lassen.

Mache jede Seite 2 Minuten lang, mindestens 30 Sekunden pro Hotspot oder dann 15 bis 20 langsame Armbewegungen pro Seite beim Level 3.

Im 1. Schritt legst du dich auf den Faszienball (Bild oben: Faszienball in weiß nachgezeichnet). Pass auf, damit du nicht auf den knöchernen Anteilen drauf bist. Du möchtest ja deine Verspannungen in den weichen, faszialen Geweben entfernen. Keine Sorge, du bemerkst den Unterschied. Beide Beine hüftbreite aufstellen, damit du dein Körpergewicht auf den Faszienball bringen kannst.

Rollen_8067_Ausschnitt

Level 1: Lege dich nun gleichmäßig mit deiner linken und rechten Körperhälfte auf den Faszienball. Spür in dich hinein und entspanne deine Schultern, sodass sie zu Boden sinken. Gleichzeitig atmest du immer tiefer ein und aus. Dabei werden die Faszien in deinem gesamten Rückenbereich gestreckt, überstreckt und entspannt – genau das benötigen sie, um sich zu erholen und wieder geschmeidig weich zu werden.

Wie schon bei allen Faszienübungen erwähnt, ist das Faszientraining außerhalb deines Wohlfühlbereiches, d.h. im Klartext: du gehst von deinem Schmerzempfinden über deine 8 (0 = kein Schmerz, 10 = Schmerzen, die du nicht mehr erträgst)!

Bleibe nun in dieser Position für mindestens 2 Minuten. Dann löse die Bewegung auf, indem du auf die entgegengesetzte Seite deines Faszeinball rollst und diesen herausholst. Dann mach das Gleiche auf deiner anderen Seite. Auf deine empfindlichen Stellen immer länger ausharren, sonst langsam weiter nach unten arbeiten.

Falls du bei dieser Faszienübung keine „8“ verspürst, nimm Level 2 …

Rollen_8074_2

Level 2: Deine Ausgangsstellung ist die gleiche, nur bringst du nun sogar dein Becken in Richtung Himmel hoch und drückst damit dein gesamtes Körpergewicht noch mehr auf den Faszienball.

Bleibe wieder in einer gleichmäßigen Körperhaltung und wieder auf deiner „8“ für 2 Minuten. Atme immer tiefer und langsamer ein und aus. Du hast genug? Dann langsam Becken senken und aus der Übung rausdrehen und Faszienball schnappen. Du verspürst auch hier noch keine „8“? Weiter zu Level 3 …

Diese Diashow benötigt JavaScript.

Level 3: Deine Körperhaltung ist wie im Level 2, nur bewegst du nun deinen gestreckten Arm, und zwar vom Boden über die Mitte bis hinter dein Ohr. Langsam und mit deiner Atmung im Einklang: Beim Einatmen Arm hinters Ohr führen, beim Ausatmen Arm neben deinem Po ablegen. Schau, dass dein Becken oben und der Ellbogen gestreckt ist, damit die Schulter stabilisiert bleibt.

Geh erneut auf deine „8“ und mach die Übung 2 Minuten lang. Dann komm mit den gleichen Schritten wieder zurück., d.h. Arm hinlegen, einige Atemzüge; Becken ablegen, einige Atemzüge; auf die Seite drehen und Faszienball rausholen.

Mein Gesundheitstipp für dich

∗ Nach jeder Faszienübung ist es ratsam, deine Körperwahrnehmung zu schulen, damit du den Unterschied zwischen „vorher“ und „nachher“ wirklich bewusst wahrnimmst und bei Verspannungen sofort den Tennisball als Gegenmittel zur Hand nimmst.

∗ Für diese Wahrnehmungsübung einfach auf der Matte liegen bleiben und in dich rein spüren, den Unterschied zwischen „weicher“ und „verspannter“ Körperseite in dich aufnehmen.

Jetzt erst kommt die andere Schulterseite dran. Es ist nicht immer jede Körperseite gleich, da mach dir mal keine Sorgen. Ich sehe das in meinen Kursen immer wieder. Die meisten haben eine empfindlichere Seite.

Aber wenn du dich weich gerollt beziehungsweise weich gestreckt hast, steht einem fantastischen Urlaubstag nichts mehr im Wege …


… also, auf deiner Urlaubspackliste steht ab sofort ein Tennisball!

Bei all deinen tollen Urlaubsabenteuern dann noch ein geschmeidiges Vergnügen,

deine Martina

 


Alles in Balance?! Die Standwaage, eine meiner Lieblings-Fitness-Übungen

Halli, hallo! Schön, dass du dir Zeit nimmst und bei mir rein schaust.

Vor einiger Zeit bin ich von Laura über meine Kommentare gefragt worden, ob ich doch bitte mal meine Lieblingsübungen posten könnte. Danke für diese nette Aufforderung – mit dem heutigen Blogpost komme ich dem gerne nach. Wobei ich gleich vorweg sagen muss, ich habe so viele Lieblingsübungen, dass ich damit Bücher füllen könnte. Aber keine Sorge, heute wird’s nur diese eine Lieblingsübung sein:

  Die Standwaage  ↔

Martina_Sequ_01_9849

Kennst du diese Übung? Machst du sie denn regelmäßig? Wenn nicht, möchte ich sie dir heute näher beschreiben, damit du ab sofort auch in der Standwaage deine Balance findest.

Die Standwaage kommt eigentlich aus dem Bodenturnen bzw. ist sie ebenso die Übung am Schwebebalken. Ich komme ja ursprünglich aus dem Ballett, wo ich meine ersten Schritte und Plies mit meinem 3. Lebensjahr begonnen habe. Auch in meinem Balletttraining versuchte ich mein Bein hoch zu bringen. Ja, sogar über die Balance der Mitte hinaus nach oben. Das muss im „gesunden“ Sportalltag natürlich nicht sein. Für dich ist jetzt einfach wichtig, dass du diese Übung so oft wie möglich in deinen Trainingsplan integrierst, denn die Standwaage ist eine perfekte funktionelle Übung, d. h. sie fordert viele deiner Muskel- und Faszien-Schlingen in einem. Und genau das wollen wir ja – in kurzer Zeit das Optimum heraus holen und uns ganzheitlich trainieren und bewegen. So sind wir fit für unseren Alltag! 🙂

Stehe hüftbreit am Boden und bringe den Oberkörper aus der Hüfte heraus nach vorne, gleichzeitig hebst du dein rechtes Bein nach hinten hoch. Strecke es durch, deine Zehen sind entspannt nach unten gerichtet. Oberkörper und Bein sollten eine waagrechte Ebene bilden, in der du dich ausbalancierst.

Wenn du zu Beginn noch Hilfe brauchst, nimm zum Beispiel Hanteln zur Hand, stelle sie auf den Boden und gib dir mit ihnen Halt. So hast du genug Energie, um in dein Bein zu investieren. Damit meine ich, dass du in das Bein, welches du nach hinten oben streckst, gut hinein spürst und es nach oben führen kannst. Dein Oberkörper bleibt dabei ruhig und stabil auf den Hanteln. Das reicht fürs Erste. Atme ruhig weiter, zentriere dich und bleib stehen, so lange du kannst.

Übe stets mit beiden Seiten. Meist gibt es eine bessere, respektive stabilere Seite. Lass dich dadurch nicht verunsichern. Übe die schwächere Seite etwas länger …

Martina_Sequ_01_9838

Im 2. Schritt löse die Hanteln vom Boden und schau, ob du in dieser Stellung die Balance halten kannst. Hände mit den Hanteln (oder ohne Hanteln) nach unten gestreckt und bleiben, atmen und zentrieren. Achte auf eine gute Core-Stabilität. Du arbeitest aus deiner Mitte!!

Übe die andere Seite ebenso.

Für mich als Trainerin hat die korrekte Übungsausführung meiner Teilnehmer*innen oberste Priorität, so will ich es auch für dich! Bei dieser funktionellen Übung ist es besonders wichtig, dass du dein Becken parallel zum Boden hältst. Kippe mit dem Oberkörper und Becken nicht Richtung Himmel hoch, sondern ziehe beide Beckenschaufeln in eine Waagrechte. Achte auf deine Halswirbelsäule. Sie sollte ebenfalls in einer Verlängerung des gesamten Körpers sein. Schau genau auf das Foto.

Martina_Sequ_01_9843

Du brauchst noch eine größere Herausforderung? Gut!

Mach dein Armtraining gleich mit, indem du die Hanteln hoch und tief führst. So trainierst du deinen Bizeps und Trizeps inklusive. Achte dabei darauf, dass deine ausbalancierte Haltung aber nicht darunter leidet. Bei deinem Standbein zeigen die Zehen nach vorne, dein Knie ist im Gelenk leicht durchgängig.

 

Was trainiert die Standwaage?

  • kräftigt das Standbein
  • kräftigt das hochgehobene Bein, insbesondere das Gesäß
  • schult die Propriozeption – die Eigenwahrnehmung im hochgehobenen Bein
  • trainiert die Mitte – die Core-Stabilität
  • verbessert den Gleichgewichtssinn
  • optimiert die Koordination
  • regt den Kreislauf an
  • verbessert die Atmung und
  • beruhigt den Geist – volle Konzentration im TUN!!

 

Wenn du aus dem Yoga kommst, kennst du diese Übung als WaageUtthita Satyeshikasana. Im Yoga wird jedoch barfuß und ohne Hanteln geübt und der gegenüberliegende Arm hochgehoben und nach vorne gestreckt. Der andere Arm liegt am Oberköper an.

Ich liebe diese funktionelle Übung, weil sie wenig Platz braucht und überall gemacht werden kann. So lass ich diese Standwaage auch in mein Nordic Walking Training einfließen. Die Kombination aus Herz-Kreislauf-Training mit flotten Schritten und einer kurzen, aber absoluten Zentrierung, ist ein MUSS für alle Fitnessfreaks. Mit oder ohne Nordic Walking Stöcke, auf einem Baumstumpf oder auf einem Stein. Wirklich, die Standwaage kannst du überall üben!!

 

 

Mein Gesundheitstipp für dich

Versuch diese funktionelle Standwaagen-Übung täglich in deinen Alltag zu integrieren. Beginn langsam, wenn nötig mit Hilfen zur Stabilität (Stuhllehne, Tisch, Hanteln, etc.). Sei vorsichtig, wenn du Gleichgewichtsprobleme hast. Bei Schwindel lass es bitte sein! Diese Übung ist auch im Büro möglich :-). Nach dem Treppensteigen zu deinem Arbeitsplatz, verschnaufe kurz, zentriere dich und geh in deine Balance – Standwaage für je 20 Sekunde pro Seite. Du wirst sehen, deine kreative Arbeitszeit könnte nicht besser starten!!


Gerade jetzt vor der stressigen Weihnachtszeit wünsche ich dir viele ausbalancierte Momente,

deine Martina